Politik

Papers, Please

Papiere, bitte
Papiers, s’il vous plaît
Papeles, por favor
Actele, va rog
Papers, Please

Es gibt wenige Orte, die bürokratischer und unmenschlicher sind als ein Grenzübergang. Neonlichter, Absperrungen, Waffen, Soldaten, Untersuchungszimmer. In Flughäfen versucht man wenigstens noch, die Kontrollen etwas menschlicher zu gestalten. Bei physischen Übergängen, auch zwischen EU Ländern, sah das bis vor ein paar Jahren noch ganz anders aus.
Sind meine Papiere in Ordnung? Zehn mal das Ablaufdatum kontrollieren… Wie lange bleibe ich? Wo wohne ich? Misstraurischer Blick des Beamten… Warum bin ich da? Bringe ich illegale Ware (Alkohol, Tabak) mit?

So oder ähnlich verbrachte ich etliche Nächte bei österreichischen, ungarischen und rumänischen Grenzkontrollen. Mit dem Beitritt der Länder zur EU ist die Situation etwas entspannter geworden. Trotzdem ist der physische Übergang in das gelobte, andere Land, eins der nervenzerreißendsten Unterfangen des heutigen Reisenden. Sogar mit einem deutschen Pass.

Papers, Please beleuchtet diese Situation aus der Sicht eines Grenzbeamten des (imaginären, kommunistischen) Staates Arstotzka. Man spielt einen Bürokraten, der Tag für Tag, nach neuen Regeln, die Papiere der Einreisewilligen untersuchen muss. Lässt man die falschen Leute ins Land, kriegt man weniger Geld. Mit weniger Geld kann man keine Medikamente für die kranken Familienmitglieder kaufen. Einige davon sterben. Angesichts des niedrigen Lohnes geht man auf Bestechungen ein. Die geheime Polizei sperrt einen weg. Das Spiel ist aus.

papers please waffenschmuggel

Bodyscanner und Waffenschmuggel

Das ist nur eins der möglichen Ausgänge von Papers, Please. Das Spiel zwingt einen, rationale, regel-basierte Entscheidungen zu treffen. Einzelschicksale, wie die politisch Verfolgter, apellieren aber an die eigene Menschlichkeit. Macht man dann eine Ausnahme zu den Regeln, kann man zwar helfen, aber zu einem Preis für das Wohlergehen der eigenen Familie.

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Ein Liebesbrief an die Geheimdienste

Liebe NSA, CIA, BND, Verfassungsschutz und SIS,

es wird mal Zeit, dass wir miteinander reden. Ich weiß, ich weiß, ihr habt schon all meine Daten, wir kennen uns. Was gibts denn da noch großartig zu besprechen?
Twitter, Facebook, Gmail, vielleicht sogar Steam (*Aluhut aufsetzt*). All meine Aktivitäten und Nachrichten liegen fein säuberlich in euren Datenbanken. Zum Wohle der Nation, zum Schutz vor dem internationalen Terrorismus MÜSST ihr einfach WISSEN was so privat im Internet treibe.

Auch wenn es gerade nicht so dringend ist, eines Tages, bei irgendeiner Suchanfrage gerate ich dann doch irgendwie in den Ergebnissen. Verständlich, schließlich schreibe ich hier über so “skandalöse” Themen wie Menschenrechte, dem freien Internet und Politik. Außerdem war dieses eine Spielereview neulich wirklich unter aller Sau.

Klar muss man da genauer nachbohren. Gefahren abschätzen. Menschenleben retten.

Oder zumindest redet ihr euch das Tag für Tag ein. Und so dient ihr dem Staat als Spionageapparat für die eigene unschuldige Bevölkerung.

Wenn dann doch einer von “euren” mit der Wahrheit rausrückt und versucht, dem Heer an Schafen (lese: Bevölkeung) die Augen zu öffnen, wird er kriminalisiert. Seine Aussagen sind übertrieben, er ist ein schlechter, unglaubwürdiger Mensch, schaut mal da, ein dreiköpfiger Affe!

Deswegen richte auf diesem Weg dem zuständigen Bearbeiter einen Gruß aus. Ich hoffe Dein Kaffe hat heute gut geschmeckt. Wir beide sind gar nicht so verschieden, du sitzt nur am anderen Ende der Leitung. Noch.
Ich freue mich schon auf den Moment, wenn dieser ganze Bullshit vorbei ist und ich -wie bei der Stasi Akte- einsehen kann, was ich vor Jahren irgendwo in irgendeinem Chat geschrieben habe.

Bis dahin wird fröhlich weitergebloggt.

Bleibt fesch,

Nikira

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Hört, hört! 99% Invisible

Auf meiner Suche nach Beschäftigungsmöglichkeiten für meine tägliche Odyssee zur Arbeit, bin ich auf 99% Invisible gestoßen. Der Podcast behandelt triviale Alltagsobjekte, deren Geschichte normalerweise zu 99% verborgen bleibt. Besonders geil finde ich den Dialog Stil, den sie pflegen. Keine Folge wird einfach heruntergelabert, sondern in Gesprächsform vorgestellt.

Bisherige Lieblingsposts:


Episode 78- No Armed Bandit


Episode 67- Broken Window

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Politkowskaja

Aus gegebenem Anlass hat arte eine Doku über das Leben von Anna Politowskaja gesendet. Ihre investigative Arbeit gegen Kriegsverbrechen in Tschetschenien und ihre Regierungskritik führten zu ihrer Erschießung in Moskau in 2006.

Heute wurde der Mann “wiedergewählt“, in dessen Amtszeit Politowskaja und 12 andere Journalisten ermordet wurden. Die Strippenzieher konnten nie ermittelt werden.

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STOP ACTA

Getreu dem Motto: “All ur data are belong to us”, könnte die EU ein Gesetz durchwinken, das vermeintlich Copyright Verstöße ahndet, in Wirklichkeit aber das Ende des Internets, wie wir es kennen, darstellt.

Bisher fanden die Verhandlungen dazu im Ausschluss der Öffentlichkeit statt, eine Delegation der EU hat das Dokument auch schon unterzeichnet in Tokyo. Das Einzige, was ACTA noch aufhalten könnte, sind die einzelnen Länderregierungen und das EU Parlament. Während in Polen und Frankreich schon Massenproteste stattfinden, hat sich in Deutschland noch nicht viel getan… Dabei sind auch hier Aktionen dringend nötig, schließlich findet die CDU/CSU die Idee von ACTA eigentlich ganz dufte!

Worum es im Einzelnen geht und was man dagegen tun kann, findet ihr im Video und in den Links darunter.

–> Online Petition gegen ACTA

–> Netzpolitik zu ACTA

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Georg Kreisler

Gerade hat mir ein gewisses image board mitgeteilt, dass Georg Kreisler gestorben ist.
Der Mann hatte den genialsten schwarzen Humor und dementsprechend geile gesellschaftskritische Chansons!
Klickt euch einfach durch seine Lieder auf YouTube. Lohnt sich!


Besonders passend, weil der Bundestag in Berlin gerade abgeriegelt ist. Man kann nicht mal mehr ein Foto auf den gottverdammten Treppen machen… DEM DEUTSCHEN VOLKE!

“Oder sagen wir ein Student,
Geht spazieren vorm Parlament..
Ja, was denkt sich der dabei?
Schützen wir die Polizei!

Denn für Studenten haben wir ja sowieso nie Platz
Die sollen doch erst was lernen, vorher sind sie für die Katz!
Und wenn sie protestieren, wer beschützt die Polizei?
Ja was ist schon ein Revolver ohne Knüppel oder zwei?”

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Stuxnet Virus – visualisiert

Für alle, die tief unter der Erde leben, sich unter einem Stein verstecken oder unter ihrer Bettdecke (Kellerkinder!!). Stuxnet ist der Virus, der Irans Atomanreicherungswerke außer Gefecht gesetzt hat. Was er so Tolles kann und wo er höchstwarscheinlich herkommt, nach dem Klick:


“Stuxnet was a weapon. The first to be made entirely out of code.”

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Déjà-vu – Mubarak und Ceausescu

Nach wochenlangen Protesten in Ägypten schien Mubarak endlich zurücktreten zu wollen. Eine erfolgreiche Revolution, eine Runde Bier für alle, Friede, Freude, Eierkuchen. Eine letzte Rede wollte Mubarak aber noch halten, mit einer lustigen Überraschung für all seine Fans: Er tritt doch nicht zurück. SURPRIIIIISE! Er will stattdessen “die Macht dem Vizepresidenten übergeben und im Amt bleiben bis zu den Neuwahlen”.

Eine wütende Menge und ein Diktator, der so verblendet ist, dass er trotz Massenprotesten nicht zurücktreten will. Sein Apell an die Nation auch nur altbekannte Propaganda. Kommt das irgendwie bekannt vor? Richtig, Ceausescu in Dezember 1989.

Kurz zum Video erst mal… Vorne in der Menge sieht man die sogenannten “aplaudaci”. Das waren (meistens) Parteimitglieder, die für solche Veranstaltungen herangekarrt wurden und politische Parolen skandieren sollten. Dahinter stehen erst die Demonstranten. Die Rede war der letzte Versuch Ceausescus, an der Macht zu bleiben und das Volk zu beruhigen. Unbezahlbar sind die Momente ab 2:40. Sein Gesichtsausdruck, als ihn der ganze Platz anbrüllt und seine Machtlosigkeit. Nerviges Hintergrundgemecker von Elena Ceausescu, Geheimdienstler wuseln um ihn rum. Er floh nach der Rede mit dem Hubschrauber, wurde vom Militär verraten und in einem Scheinprozess zum Tode verurteilt.

Video Part 2

In der Bevölkerung ist man sich auch heute noch uneinig, ob es denn richtig war, ihn hinzurichten. 1989 waren aber Read more →

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