Nach wochenlangen Protesten in Ägypten schien Mubarak endlich zurücktreten zu wollen. Eine erfolgreiche Revolution, eine Runde Bier für alle, Friede, Freude, Eierkuchen. Eine letzte Rede wollte Mubarak aber noch halten, mit einer lustigen Überraschung für all seine Fans: Er tritt doch nicht zurück. SURPRIIIIISE! Er will stattdessen “die Macht dem Vizepresidenten übergeben und im Amt bleiben bis zu den Neuwahlen”.

Eine wütende Menge und ein Diktator, der so verblendet ist, dass er trotz Massenprotesten nicht zurücktreten will. Sein Apell an die Nation auch nur altbekannte Propaganda. Kommt das irgendwie bekannt vor? Richtig, Ceausescu in Dezember 1989.

Kurz zum Video erst mal… Vorne in der Menge sieht man die sogenannten “aplaudaci”. Das waren (meistens) Parteimitglieder, die für solche Veranstaltungen herangekarrt wurden und politische Parolen skandieren sollten. Dahinter stehen erst die Demonstranten. Die Rede war der letzte Versuch Ceausescus, an der Macht zu bleiben und das Volk zu beruhigen. Unbezahlbar sind die Momente ab 2:40. Sein Gesichtsausdruck, als ihn der ganze Platz anbrüllt und seine Machtlosigkeit. Nerviges Hintergrundgemecker von Elena Ceausescu, Geheimdienstler wuseln um ihn rum. Er floh nach der Rede mit dem Hubschrauber, wurde vom Militär verraten und in einem Scheinprozess zum Tode verurteilt.

Video Part 2

In der Bevölkerung ist man sich auch heute noch uneinig, ob es denn richtig war, ihn hinzurichten. 1989 waren aber viele froh darüber und sahen es, nach all den Jahrzehnten der Diktatur, als den einzigen Ausweg, den Mann tatsächlich loszuwerden. Wenn sich der Zorn und der Frust einer ganzen Nation auf eine Person entlädt, gelten keine Regeln mehr. Der gesunde Menschenverstand setzt aus, man will endlich seine Freiheit, um jeden Preis. Rache nehmen an irgendwem für all die Jahre der Unterdrückung und der Entbehrung.

Das ist dann die Zeit, wenn die Geheimdienste diensteln, die Militärs ihre Gewehre in Anschlag nehmen und die Studenten wie die blöden raus auf die Straßen gehen und sterben.

Wenn sich der Staub gelegt hat, kommen die alten Parteifunktionäre wieder daher. Sie waren nämlich im Herzen schon immer Oppositionelle und hätten jetzt gerne ein Stück von diesem leckeren Kuchen namens Demokratie. Man bedankt sich brav bei den Demonstranten, die “ihr Leben für das Wohlergehen des Landes ehrenvoll verloren haben”. Man baut ihnen ein, zwei Denkmale, ernennt den Tag der Revolution zum Nationalen Feiertag und damit hat sichs.

Ob sich Geschichte wirklich immer wiederholt, werden wir in den nächsten Tagen in Ägypten alle sehen. Parallelen zwischen Ceausescu und Mubarak sind aber schon genug vorhanden…

[UPDATE] Mubarak ist zurückgetreten – Party, party, partizani!! 😀